Digitaler Workflow in der Bildbearbeitung

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Der digitale Workflow für gute Bildbearbeitung

Workflow, weil es eine sinnvolle Reihenfolge gibt! Manche Bearbeitungsschritte stehen zu Beginn (z.B.das Entfernen des Bildrauschens), andere wiederum zum Schluss (z.B.Scharfzeichnen) – ein Vertauschen dieser beiden beispielhaften Schritte hätte einen negativen Einfluss auf die Bildqualität.

Ein Workflow beschreibt die festgelegte Abfolge von einzelnen Arbeitsschritten. In der digitalen Fotografie sind das:

  1. Fotoshooting
  2. Import mittels Datenträger oder Tethered-Shooting (Kamera ist während der Aufnahme am Rechner angeschlossen und das Bild wird direkt übertragen)
  3. Sichtung – Auswahl
  4. Verschlagwortung
  5. Bildoptimierung, Bildbearbeitung – manipulation
  6. Export

Als Basis für diese Workflow gehe ich von einem Raw-Shooting oder von einem verrechneten HDR-Foto aus. Ausgangspunkt ist somit ein RAW-Konverter, der die digitale Bilddaten „interpretiert“ (man spricht hier noch nicht von “Bildbearbeitung”). Der Raw-Konverter speichert in einer simplen Textdatei (.xmp) alle Interpretationanweisungen zerstörungs- und verlustfrei und die Bilddaten bleiben unverändert erhalten.

RAW-Workflow

1. Farbprofil 

Der erste und wichtigste Schritt im Workflow für die spätere Ausgabe am Monitor oder als Print, ist die Zuweisung von einem Farbprofil. Für ein RAW wird ein möglichst großer Farbraum zugewiesen: “ProPhoto RGB” und mit voller Farbtiefe 16 Bit/Farbkanal.

Alle Einstellungen im Konverter sind also reversible und daher nondestruktiv. Daher meine Tipp: »So viel wie nötig im RAW-Konverter korrigieren bzw. interpretieren«

2. technische Korrekturen

Ich starte im Raw-Konverter immer mit den „technischen“ Korrekturen: Objektivkorrektur, Geometrische Korrekturen und dem Kameraprofil. Neben der Auswahl an verschiedenen Herstellerprofilen ist der kameraspezifische Standard-Preset allemal besser als der Adobe-Standard.

3. Bildausschnitt festlegen

Sofern nötig das Bild zuschneiden, einen neuen Bildausschnitt festlegen oder den Horizont begradigen. Der Beschnitt hat mehr oder weniger große Auswirkung auf die folgende Bearbeitungen: so kann sich ein weggeschnittener überbelichteter Wolkenhimmel maßgeblich auf die Belichtungseinstellungen auswirken.

4. Weißabgleich

Der erste wirklich kreative Prozess im Workflow: Weißabgleich. Er gibt die Richtung der weiteren Bildinterpretation und -bearbeitung vor: coolblue oder sonnigwarm?

Für die eigentliche Bildinterpretation im RAW-Konverter gibt es kein Gesetz, das den Arbeitsablauf regelt. Dennoch sollte man im Kopf haben, dass jede Kontraststeigerung auch eine Farbveränderung mit sich bringt. Daher macht es Sinn wenn zuerst die Belichtung optimiert wird, bevor man sich auf die Farbinterpretation zuwendet.

5. Belichtungsinterpretation

Ein guter Start ist der „Auto“-Button. So wird der hellste und dunkelste Bildpunkt gefunden und alle anderen Bilddaten entsprechend interpretiert. Bei Nichtgefallen Bildhelligkeit und Kontrast über die Gradationskurve entsprechend nachjustieren.

6. Farbinterpretation

Eine „Dynamik“ Anpassung verstärkt die wenig gesättigten Farben im Bild und wirkt in den meisten Fallen besser.

7. Rauschreduktion und Effekte

Rauschreduktion ist ein großes Thema in der Digitalfotografie und im Raw-Konverter kann eine Rauschreduzierung höchst effektiv vorgenommen werden!

8. Nachschärfen

Jedes digitale Bild muss geschärft werden. Eine mehrfach Schärfung sollte aber vermieden werden und steht immer am Ende der Bildbearbeitung. Deshalb wird im Raw-Konverter vor der Übergabe nach Photoshop nur ganz leicht nachgeschärft. Der Preset-Standard ist ok.

9. Übergabe an Photoshop

Weise, wer hier die RAW-Interpretationen als Smart-Objekt einbettet.

 

Photoshop-Workflow

Natürlich führen auch hier alle Wege nach Rom, aber wie immer interessieren uns nur die “besten” Techniken, also solche die:

  • nondestruktiv sind, also jederzeit verändert, maskiert oder gelöscht werden können
  • nur die bereits vorhandenen Pixel manipulieren und die Strukturverhältnisse bewahren, also nichts neues hinzufügen oder einfach “quick`n´dirty“ rüber klatschen

 

1. Analyse

Bevor es in Photoshop mit der Bildmanipulation weitergeht, muss man natürlich herausfinden, ob und wie ein Bild überhaupt korrigiert werden muss. Das “Ob” ist dabei recht einfach: genau Hinsehen. Sieht alles top aus, braucht’s auch keine Korrekturen….

2. Hilfsebenen anlegen

…ist aber “irgendwie” was nicht in Ordnung, helfen Hilfsebenen den Grund zu finden. Bilder können simpel aufgeteilt werden in: Vordergrund, Mittelbereich und Hintergrund; Lichter, Mitteltöne und Tiefen. Luminanz (Tonwerte) und Chrominanz (Farben). Diese Bereiche sollten überprüft und individuell bearbeitet werden.

3. Globale Bildbearbeitung  

Im ersten Schritt des Workflows stehen Anpassungen und Korrekturen, die das ganze Bild betreffen! Zuerst die großen, groben Korrekturen (Retusche) und sich dann in die Details hinein steigern.

4. Selektive Korrekturen

Im  Workflow immer zuerst die Luminanzen (z.B. Dodge&Burn), dann die Sättigung und dann erst den Farbton bearbeiten. Starkes „Dodge&Burn“ kann durchaus die Sättigung beeinflussen, daher bietet sich dieser Korrekturschritt direkt danach an. 

5. Farbkorrektur (Colorgrading)

6. Rauschen reduzieren

…hatte ich das bereits erwähnt? Rauschreduzierung ganz am Anfang? – Jein! Arbeitet man im Raw-Format, gehört die Rauschreduzierung zu den frühen Bearbeitungsschritten! Fakt in Photoshop ist: Korrekturen wie das Anpassen der Farbsättigung können das Bildrauschen verstärken.

7. Nachschärfen

»Bildschärfe ist eine Frage der Helligkeitsvariation, nicht der Farbe! «

Grundsätzlich sollte das Scharfzeichnen der letzte Schritt einer Bildbearbeitung sein, da andere Bearbeitungen die Schärfe beeinflussen können und mehrfaches Schärfen zu Qualitätsverluste führt. Selten über das ganze Bild, sondern meist selektiv – unterschieden in Kontrast- und Detailschärfung.

8. Copyright und Speichern

Wenn nicht schon beim Auslösen oder Capeturing der Bilder auf dem Computer geschehen, das Copyright und Dateiinformationen einfügen (sieh auch Verschlagwortung). Für das Archiv als Arbeitsdatei abspeichern (verlustfrei komprimiertes .tif).

9. Konvertierung

Konvertierung in kleinere Farbräume; Reduzierung auf 8 Bit und der anschließenden Ausgabe- oder Printschärfung.

Fazit:

»However, as photographers, we usually don´t get paid for the retouching part of our jobs, so we need to get back to the shooting as quickly as possible«.

Scott Kelby

Ein Gedanke zu „Digitaler Workflow in der Bildbearbeitung

  • 2. September 2016 um 12:50
    Permalink

    Vielen dank für die tollen Informationen, möchte auch so gerne Photoshop lernen.

    Gruß Anna

    Antwort

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