Richtig Schärfen

zauberwaldGrundlagen zur digitalen Schärfung

Die Basis zum guten Schärfen liegt im allgemeinen Verständnis der menschlichen Wahrnehmung. Wir konzentrieren uns bei der Verarbeitung von Sehinformationen auf die Kanten, die das Objekt vom Hintergrund trennen. Unser Gehirn versucht zuerst klare horizontale und vertikale Linien zu erkennen – also die Umrisse eines Objektes. Anhand der Umrisse wird uns meistens bereits nach Sekundenbruchteilen klar, womit wir es zu tun haben. Können wir jedoch keine klaren Umrisse wahrnehmen, haben wir oft erhebliche Schwierigkeiten das Gesehene einem uns bekannten Bild zuzuordnen.

Schärfe und Bildinhalt

Technisch bedingt ist jedes Digitalfoto immer etwas unscharf und muss nachgeschärft werden! Leider ist es eine weit verbreitete Vorgehensweise, dass alle Bilder in einem Workflow einmalig und identisch geschärft werden. Zudem kommt, dass alle Photoshop Schärfungsfilter ein Problem haben: Sie unterscheiden nicht zwischen wichtigen, zu schärfenden Details und Bildflächen, die außerhalb der Motivschärfe liegen. Sie behandeln alle Bildteile gleich.

Doch sollte je nach Bildinhalt mit einer eigenen Technik und speziellen Einstellungen nachgeschärft werden. Wenn Sie sich für die falsche Vorgehensweise entscheiden, zerstören Sie im schlimmsten Fall die Bildstimmung und die Kernaussage des Bildes.

Basisfunktion der Schärfungsfilter

Phase 1: Konturen finden

Wie das menschliche Auge muss auch ein Programm zuerst ausfindig machen, «wo markante Kontraste» in einem Bild zu finden sind. Fortschrittliche Anwendungen sind zusätzlich in der Lage, unterschiedlich starke Konturen zu erkennen und geben dem Anwender die volle Kontrolle (Schwellenwert), welche Konturen später betont werden sollen. Wir beurteilen ein Bild als scharf, wenn die Motivkanten gut akzentuiert sind. Die Flächen spielen nur eine untergeordnete Rolle.

Phase 2: Kontrast verstärken

Sind die Konturen einmal gefunden, müssen diese stärker betont werden. Dies geschieht ganz einfach, indem der Kontrast lokal verstärkt wird: Helle Bereiche werden noch heller, dunkle noch dunkler. Durch den zusätzlichen Kontrast erkennt das menschliche Auge die Konturen schneller und empfindet das Bild als schärfer. Auch hier geben uns gute Anwendungen die Kontrolle über die «Stärke des Kontrastes» und die «Breite (Radius) der Konturen».

Schärfen in mehreren Durchgängen

1: RAW Unschärfe korrigieren

Im ersten Schärfedurchgang versuchen wir wiederherzustellen, was bei der Bilderfassung technisch bedingt verloren ging. Dies geschieht am besten im RAW-Konverter. Bei dieser Gelegenheit auch gleich dem Bildrauschen einen ersten Seitenhieb verpassen. Hier unterscheidet man zwei Arten des Rauschens: Das Chrominanz- oder Farbrauschen: macht sich durch rote, grüne und blaue Pixelflecken bemerkbar. Solche Pixelfehler können im RAW-Konverter oder in Photoshop meist problemlos und ohne grossen Schärfeverlust eliminiert werden. Wesentlich mehr Schwierigkeiten bereitet das Helligkeitsrauschen, auch Luminanzrauschen genannt. Im Gegensatz zum Farbrauschen sind diese falschen Pixelinformationen in sämtlichen Kanälen vorhanden, die für die Detailzeichnung des Bildes verantwortlich sind.

Im Falle von Adobe Camra RAW und Lightroom können Sie mit den richtigen Voreinstellungen neben RAW-Dateien auch JPEG- und TIFF-Dateien (ohne Ebenen) öffnen.

2: Inhaltsgerecht schärfen

Nachdem Sie Ihre Bilder in Camera RAW vorbehandelt haben, bearbeiten Sie diese wie gewohnt in Photoshop. Wenn Sie so weit fertig sind, sollten Sie dem Rauschen endgültig den Kampf ansagen!  Am Ende Ihrer Arbeit (und nach der Rauschreduktion) erfolgt eine Unscharfmaskierung, unterschieden in  Detailschärfung und/oder Kontrastschärfung. Der Bildinhalt spielt dabei eine Hauptrolle: detailreiche Bilder werden anders geschärft als Bilder mit wenigen Details aber bitte immer als Smart-Objekte und Smartfilter angewendet.

Im Grunde genommen enthalten die meisten Bilder Stellen mit mehr oder weniger Details, so dass es nicht immer einfach erscheint, Bilder einer Detailkategorie zuzuordnen. Überlegen Sie in solchen Situationen einfach, was denn überhaupt der bildwichtige Inhalt des Motives ist.
Tipp: Isolieren Sie die Stelle im Bild, die für die Bildaussage verantwortlich ist, und ordnen Sie es einer Inhaltskategorie zu.

Differenzieren sie in Ihre Schärfungstechnik zwischen “Detailreiche Bilder“ (meist Landschaftsaufnahmen). Hier gilt eine „Unscharf Maskierung“ mit angemessenem Stärkewert zwischen 150 und 180%, einem sehr engen Radius (< 1,5 Pixel) und keinem oder nur geringem Schwellenwert.

Bei “detailarme Bilder”, oft Beauty-Portraits, findet eine „Kontrastschärfung“ mit geringer Stärke und stark erhöhtem Radius Anwendung oder eine „Schärfungstechnik mit Konturenmaske“.

3: Für die Ausgabe schärfen

Bilder, die nur im Internet betrachtet werden, müssen nicht erneut geschärft werden. Im letzten Durchgang schärfen Sie Ihr Bild gezielt für einen konkreten Verwendungszweck. Diese Schärfung sollte zwingend nach jeglicher Auflösungsneuberechnung oder Skalierung erfolgen! Aufgrund seiner Besonderheit explizit in den Mitteltönen eine sehr ausgeprägte, aber dennoch harmonische Schärfe zu erzeugen, bietet sich die Nachschärfung mit dem „Hochpass-Filter“ an. Allerdings erfordern unterschiedliche Papiere oder Druckverfahren jeweils eigene Einstellungen. Für den kommerziellen Offsetdruck empfehlen sich folgende Einstellungen:

Druckauflösung (in dpi) –  Hochpass-Einstellungen

150 – 1.1 Pixel, Lineares Licht, 65% Deckkraft
180 – 1.2 Pixel, Lineares Licht, 60% Deckkraft
220 – 1.5 Pixel, Lineares Licht, 52% Deckkraft
250 – 1.8 Pixel, Lineares Licht, 45% Deckkraft
300 – 2.0 Pixel, Lineares Licht, 40% Deckkraft
360 – 2.4 Pixel, Lineares Licht, 30% Deckkraft

(Für ungestrichene Papiere 10% mehr Deckkraft; für Zeitungspapiere ca. 15% bis 20% mehr Deckkraft)

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